Motivi za nastanek zgodnjih urbarjev v vzhodnoalpskem prostoru

Avtor(ji): Pirnat, Jernej
Jezik: slovenski / nemški
Vrsta gradiva: Besedilo
Leto: 2019
Založnik(i): Zveza zgodovinskih društev Slovenije
Soavtor(ji): Peter Štih (odg. ur.), Saša Mlacović (prev. ang.), Vesna Vidmar (obl.)


  • Podroben opis
    Urbarji predstavljajo enega izmed osrednjih virov za raziskovanje srednjega veka. Kljub dolgi tradiciji obravnave urbarjev je bilo do sedaj relativno malo časa posvečenega raziskovanju motivov za nastanek zgodnjih urbarjev. V prispevku je na podlagi analiz treh urbarjev in drugih primerov pokazano, da oblika, vsebina ter okoliščine nastanka zgodnjih urbarjev (do srede 14. stoletja) izkazujejo predvsem željo po zavarovanju posesti. Urbarji so se skozi čas spremenili tako po obliki kot po vsebini, poleg tega pa se pojavijo tudi drugi administrativni viri, kar nakazuje večjo gospodarsko-upravno vlogo urbarjev od konca 14. stoletja naprej.

  • Vsi metapodatki
    • dcterms:identifier http://hdl.handle.net/11686/41440
    • dcterms:title
      • Motivi za nastanek zgodnjih urbarjev v vzhodnoalpskem prostoru
    • dcterms:alternative
      • Motive für die Entstehung der frühen Urbare im Ostalpenraum
    • dcterms:creator
      • Jernej Pirnat
    • dcterms:subject
      • urbarji
      • pragmatično pismenstvo
      • srednji vek
      • Urbar
      • pragmatische Schriftlichkeit
      • Mittelalter
    • dcterms:description
      • Wegen der darin enthaltenen Informationen werden Urbare seit Langem oft in der Geschichtsforschung verwendet. Im 19. Jahrhundert tauchte der Wunsch nach dem Edieren der Urbare in einer gemeinsamen Serie auf, zu der es aber nicht kam. Lokale Organisationen übernahmen diese Aufgabe und sie veröffentlichten Quellen, jede auf ihre Art und Weise. Im 20. Jahrhundert kam es zu den ersten Veröffentlichungen in der Serie Srednjeveški urbarji za Slovenijo (Mittelalterliche Urbare für Slowenien). Bei der Behandlung der Urbare wurde viel Aufmerksamkeit den darin enthaltenen wirtschaftlichen Angaben, der Organisation der Grundherrschaften und der Entwicklung des Territorialumfangs der im Urbar verzeichneten Herrschaften gewidmet. Etwas weniger Zeit widmete man den Fragen der eigentlichen Verwendung von Urbaren, der Motive der damaligen Leute bei deren Verfassung und der Rolle, die dabei die zunehmende Schriftlichkeit spielte. Die ältesten urbarialen Aufzeichnungen fi ndet man im Frühmittelalter. Aus dieser Periode ist nur eine kleine Anzahl der Texte erhalten, während im Spätmittelalter man eine wahre Explosion der Aufzeichnungen beobachten kann, vor allem im 14. und 15. Jahrhundert. Die frühmittelalterlichen und spätmittelalterlichen Texte scheinen keine direkte Verbindung zu haben. Die Tradition der Aufzeichnung der ersteren kam allem Anschein nach zum Erliegen im Hochmittelalter bzw. sie wurden durch andere Niederschriften ersetzt, wie z. B. Urkunden oder im behandelten Gebiet sehr verbreitete Traditionsbücher. Die ersten Urbare im Ostalpenraum fi ndet man im 11. und 12. Jahrhundert. Nach bescheidenen Anfängen kann man im 13. Jahrhundert sowohl die Urbare der weltlichen als auch der kirchlichen Herren fi nden. Im Allgemeinen kann man mit wenigen Ausnahmen im 13. Jahrhundert keine Urbare der Ministerialen und des Kleinadels fi nden. Das kann wahrscheinlich als eine bewusste Entscheidung betrachtet werden, denn die Urbare wurden gedacht als der Schutz vor der Ausweitung des Besitzes von Ministerialen und vom Kleinadel. Veränderungen auf dem Gebiet der Herrschaft — die Übergabe des Dominikallandes an die Bauer gegen die Leistung der Abgaben — ermöglichten einfachere Veräußerung des Gutes innerhalb der Herrschaft, infolgedessen die Machthaber die Entscheidung trafen, Urbare zu erstellen. Diese Art der Problemlösung weist auf das veränderte Verhältnis zur Schrift hin, das man beim Interpretieren der Gründe für die Entstehung der Urbare in Betracht ziehen muss. Die Schrift spielte im Frühmittelalter eine besondere Rolle. Sie war beschränkt auf kirchliche Angelegenheiten bzw. auf enge Gebiete des Regierens. In Europa lassen sich Veränderungen auf diesem Gebiet gerade in der Periode zwischen dem 11. und dem 13. Jahrhundert beobachten. Die Schrift verlor ihre geweihte Rolle, sie wurde praktisch in allen Lebensbereichen eingesetzt und diente vor allem der Regelung der laufenden und alltäglichen Angelegenheiten. Deshalb können Urbare als ein Abbild der pragmatischen Schriftlichkeit betrachtet werden. Die Analyse der Form und des Inhalts vom ältesten Urbar des Hochstifts Freising zeigte, dass diese Art der Aufzeichnung nicht am besten geeignet für alltägliche Zwecke ist. Die Art und Weise, in der das Urbar geschrieben ist, erschwert deutlich die Suche nach individuellen Dörfern und nach den von den dortigen Bauern geschuldeten Einnahmen. Neben der Tatsache, dass im Urbar keine Überschriften und Absätze zu fi nden sind, die eine schnellere Suche ermöglichen würden, wird das Letztere auch durch die Zerstreutheit der Daten für individuelle Dörfer erschwert, die oft in verschiedenen Stellen stehen. Einen ähnlichen Zustand kann man auch in Urbaren aus der Mitte des 14. Jahrhunderts beobachten. Die Ungenauigkeit und Mangelhaftigkeit einiger Aufzeichnungen im Urbar des Stifts Kostanjevica weist darauf hin, dass das Letztere nicht regelmäßig bei der Erhebung der Abgaben verwendet wurde. Als Motiv für die Aufzeichnung bietet sich der Wunsch nach der Sicherung des Besitzes an. Man kann oft sehen, dass frühe Urbare (bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts) in der Zeit verfasst wurden, als ihr Besitz gefährdet war. Mit der Aufzeichnung wollten sie Verzeichnisse schaffen, anhand deren sie sich im Falle der Veräußerung von Gütern hätten verteidigen können. Eine solche Funktion hatten die Urbare für Nieder- und Oberösterreich. In der turbulenten Zeit des 13. Jahrhunderts wurden Urbare von verschiedenen Dynastien erstellt, die für den Ausbau der landesfürstlichen Gewalt gebraucht wurden. Ihr Vorgehen wurde oft gegen die Ministerialen gerichtet, die sich Güter oder verschiedene Rechte aneigneten. Interessanterweise entschieden sich spätere Dynastien nicht für die Aufzeichnung neuer Urbare, sondern setzten sie oft ältere Urbare früherer Dynastien fort oder schrieben sie großenteils ab. Damit versuchten sie die Tradition zu schaffen und ihre Herrschaft in diesem Gebiet zu legitimieren. Vorausgesetzt, dass Urbare aus dem Wunsch heraus, den Besitz zu sichern, verfasst wurden, stellt sich hier die Frage nach deren Rechtsgültigkeit. Obwohl sie im Gegensatz zu Urkunden keine Beglaubigungsformeln enthielten, fi ndet man etliche Beispiele, in denen beim Austragen der Streitigkeiten vor Gericht ausgerechnet Urbare verwendet wurden. Dass die Verfasser der Urbare sich mit genau diesem Vorhaben für die Niederschrift der Urbare entschieden, wird ausgezeichnet durch die Kommentare im Urbar der Abtei Prüm gezeigt, wo derartige Verwendungsweise ausdrücklich erwähnt ist. Als Letztes stellt sich auch die Frage nach dem Sinn der Abgabeverzeichnisse, wenn Urbare vor allem für die Sicherung des Besitzes vorgesehen wurden. Neben der Tatsache, dass das Gut nur wichtig war, wenn es dem Grundherrn Einnahmen brachte, scheinen Urbare ein Symbolobjekt gewesen zu sein, das auf die Berechtigung des Grundherrn zur Besitzung hinwies. Mit der Aufzeichnung der Abgaben ins Urbar wurde das Normativ für das bestimmte Gut geschaffen, aufgrund dessen der Grundherr von den Bauern Abgabeleistung fordern konnte. Ab dem 14. Jahrhundert kann man die erhöhte wirtschaftliche Funktion der Urbare beobachten. Sowohl die Form als auch der Inhalt der Urbare änderten sich und andere Verwaltungsdokumente — Handurbare und Rechnungsbücher — kamen vor. Das Gesagte deutet darauf hin, dass von dieser Zeit an sich die veränderte Rolle der Urbare innerhalb der Grundherrschaft bemerkbar macht.
    • dcterms:publisher
      • Zveza zgodovinskih društev Slovenije
    • dcterms:contributor
      • Peter Štih (odg. ur.)
      • Saša Mlacović (prev. ang.)
      • Vesna Vidmar (obl.)
    • dcterms:type
      • Text
    • dcterms:source
      • SISTORY:ID:41440
    • dcterms:language
      • slv
      • deu
    • dcterms:isPartOf