Polihistor J. V. Valvasor, njegovi bližnji in daljni potomci

Avtor(ji): Golec, Boris
Jezik: slovenski / nemški
Vrsta gradiva: Besedilo
Leto: 2007
Založnik(i): Zgodovinski arhiv Ljubljana, Ljubljana
Soavtor(ji): Nataša Budna Kodrič (ur.), Tatjana Šenk (ur.), Magda Lojk (lekt.), Doris Debenjak (nem. prev. ), mag. Niko Hudelja (nem. prev.), Katarina Kambič (ang. prev.), Martin Cregeen (ang. prev.), Tatjana Rodošek (foto.)
Zbirka: Gradivo in razprave : 30


  • Podroben opis
    Najbrž se bo kdo (upravičeno) vprašal, kaj imata skupnega Sergij Vilfan in Valvasor, kranjski polihistor iz 17. stoletja. Na pogled morda komaj kaj, če seveda izvzamemo njuno neizmerno zanimanje za zgodovino, etnologijo, pravno zgodovino za preteklost in sedanjost nasploh.

  • Vsi metapodatki
    • dcterms:identifier http://hdl.handle.net/11686/41388
    • dcterms:title
      • Polihistor J. V. Valvasor, njegovi bližnji in daljni potomci
    • dcterms:alternative
      • Nova odkritja iz prezrtih arhivskih zakladov
      • Neue Entdeckungen aus übersehenen Archivschätgen
      • Der Polyhistor J. W. Valvasor, seine nahen undfernen Nachkommen
    • dcterms:creator
      • Boris Golec
    • dcterms:description
      • Es wird sich wohl mancher von den Anwesenden (mit Recht) fragen, was denn Sergij Vilfan und Valvasor, der krainische Polyhistor aus dem 17. Jahrhundert, gemein haben. Auf den ersten Blick kaum etwas, wenn man vom unerschöpflichen Interesse für die Geschichte, Volkskunde, Rechtsgeschichte, für die Vergangenheit und die Gegenwart überhaupt absieht. Sergij Vilfan hat sich zwar wirklich nicht ausdrücklich mit Valvasor als solchem beschäftigt, ist aber doch immer wieder auf ihn zurückgekommen. Sein Werk nahm er schon in der Kriegszeit in seinen ersten Veröffentlichungen 1942—43 noch als Student in Angriff. Später kommt der Name Valvasor zumindest in den Titeln der Werke von Vilfan lange nicht vor, fast ein halbes Jahrhundert, bis zur 300-Jahresfeier des Erscheinens der Ehre des Herzogtums Krain im Jahr 1989, als er dem krainischen Polyhistor eine synthetische Abhandlung über die rechtliche Verfassung des Landes Krain gewidmet und sie in der einschlägigen Tagung hier in diesem Saal präsentiert hat. Und schließlich nahm er als Historiker und Volkskundler knapp vor seinem Tod noch Valvasors Deutung der Geschichte von Andreas Baumkircher in Angriff; Sergij Vilfan hat sein Opus demnach nicht nur mit Valvasor begonnen, sondern auch abgeschlossen. Gerade aus diesem Grund möchte ich die heutige Gelegenheit nutzen, um nach einer gründlichen Durchsicht von Archivmateriahen, der Heranziehung von bisher unbekannten Quellen und einer erneuten Würdigung von »alten« Quellen — in der »Vilfan'schen« Manier — die unbekannten Seiten des Lebens von Valvasor zu behandeln und seine bisher völlig vergessenen, aber keineswegs uninteressanten Nachkommen kurz zu streifen. Das Opus von Johann Weichard Valvasor war im slowenischen, aber auch weiteren Raum eine so universelle Erscheinung, dass seine Erforscher schon allein mit seinem Unfang genügend zu tun hatten. Für Valvasor als Persönlichkeit, sogar für einige biographisch nicht unbedeutende Tatsachen reichten angesichts der Menge und Größe dieses Opus weder der Platz noch das Interesse. Das gilt insbesondere für die letzten Lebensjahre des Polyhistors, vom Erscheinen der Ehre des Herzogtums Krain in 1689 bis zu seinem Tod im Herbst 1693 in Krško (Gurkfeld) und auch für seinen Nachlass das Schicksal seiner Familienmitglieder und die weitere Nachkommenschaft. Die zufällige Eröffnung von Teilproblemen hat aber kürzlich auch einige interessante Entdeckungen gebracht, die ihrerseits neue Fragen aufwerfen. Die meisten Antworten ruhen nämlich seit dreihundert Jahren und mehr in Archivunterlagen, die von Generationen, auch von der von Vilfan, nicht beachtet worden sind. Die erste Frage betrifft Valvasors Titel »Freiherr«, für den es nicht klar war, wann er von Verwandten auf die Person von Valvasor übergegangen sein soll. Genau genommen hatte Johann Weichard eigentlich überhaupt kein Recht auf diesen Titel, der ihm in Wirklichkeit nie verliehen worden ist. In den erblichen Freiherrenstand wurden 1667 nur sein Halbbruder und die beiden Kinder seines verstorbenen Cousins erhoben von denen außer ihren eigenen Nachkommen niemand in der Verwandtschaft den Titel einfach übernehmen konnte, ohne dass er ihm verliehen worden wäre. Es ist deshalb kein Zufall, dass Valvasor in seiner Ehre des Herzogtums Krain verschweigt, wann die Familie Valvasor den Freiherrenstand erhalten haben soll, obwohl er so manche völlig nebensächliche Einzelheit anführt. Bevor er sich die Freiheit herausnahm, den Titel »Freiherr« vor seinen Namen zu setzen, hat er deshalb die Umstände sehr vorsichtig erkundet. Zunächst hat er nur »toleriert«, dass er von anderen als »Freiherr/Baron« tituliert wurde — von Priestern in Taufbüchern, von seinen Freunden in den Widmungen in seinen drei früheren Werken14 und von den steirischen Landesständen während des Kriegszuges von 1683. Als Freiherr hat er selbst erstmals nach der Rückkehr aus diesem Feldzug am 31. Oktober 1683 im gedruckten Formblatt für sine Soldaten unterzeichnet. Den nächsten Schritt stellte die Korrespondenz mit der englischen Königlichen Gesellschaft dar, das i-Tüpfelchen 1688 Valvasors Unterschrift als Freiherr unter der Topographie des Herzogtums Kärnten. Schließlich »erhob« er ein Jahr später seine gesamte krainische Verwandtschaft in den »Freiherrenstand«, wobei er zumindest für sich selbst wohl überzeugt gewesen ist, dass er den Titel aufgrund seines Werkes und seiner Verdienste bestimmt verdient hat. Die nächste Frage, die von seinen Biographen lieber umgangen worden ist, betrifft die Zahl seiner Kinder und ihre Geburtsorte. Heute wissen wir, dass er dreizehn Kinder hatte, vielleicht sogar vierzehn, bisher wusste man nur von elf Kindern. Valvasor hat in seiner »Ehre« (1689) die genauen Geburtsdaten aller neun Kinder aus der ersten Ehe und der ältesten in der zweiten Ehe geborenen Tochter angegeben, leider nicht auch ihre Geburtsorte. Man würde erwarten, dass sie auf Bogenšperg (Wagensperg) in der Nähe von Litija (Littai) geboren worden wären, seinem nach der heirat 1672 gekauften Schloss, in dem er die nächsten zwanzig Jahre gelebt hat. In den Taufbüchern der zuständigen Pfarre Šmartno pri Litiji (St. Martin bei Littai) sind aller- dings nur drei Taufen verzeichnet, verbucht ist auch 1693 in Krško die bekannte Taufe jeS letzten Kindes. Es galt also die Tauf- bzw. Geburtsbücher für die meisten Kinder zu finden, aber die Frage war, wie und wo, denn auch meinen Vorgängern ist das nicht gelungen. Sehr aufschlussreich ist die Tatsache, dass die unumstößliche Referenz — die Sammlung von genealogischen Daten für den Adel des gesamten Raumes von Krain aus 1905 — Schiviz von Schivizhoffen — darüber keinen Aufschluss gibt. Auch die genaue Durchsicht der Matrikeln von sieben Pfarren an der Save von Ljubljana (Laibach) bis Svibno bei Radeče (Scharffenberg bei Ratschach) hat keine neuen Ergebnisse gebracht. So steht nun fest, dass der Großteil der Kinder von Valvasor weder auf dem Schloss Bogen- šperk noch in Ljubljana (Laibach) noch an einem anderen Ort in Krain geboren worden ist. Das wird mit ein Grund dafür gewesen sein, dass sie weder von den Erforschern des Lebens von Valvasor noch von den Genealogen gefunden worden sind. Es ist kaum anzunehmen, dass die Eintragungen der Taufen durch die Nachlässigkeit der Priester ausgeblieben wären. Auch wenn die Taufen einfach in der Kapelle des heimischen Schlosses stattgefunden hätten, hätten sie in den Taufbüchern erscheinen müssen. Es bleibt eigentlich nur die Möglichkeit, dass Valvasor auf seinen Reisen auch von seinen Frauen begleitet worden ist. So wurden die Kinder meist nicht zu Hause geboren, wahrscheinlich sogar außerhalb des Landes Krain, möglicherweise sogar irgendwo in der Fremde, in Deutschland oder Frankreich. Doch fällt die einzige längere Abwesenheit von Valvasor, die mehr oder weniger genau in die Nähe der Geburt eines Kindes zu datieren ist, in den Sommer 1686. Alles andere bleibt noch immer nebulös, denn mit einer noch so genauen Analyse der Angaben in der »Ehre« und aufgrund der Datierung der wenigen vorliegenden Urkunden und Briefe ist nicht verlässlich festzustellen, wann genau Johann Weichard nicht zu Hause gewesen ist und wo er sich damals aufgehalten hat. Natürlich ist erst recht nicht festzustellen, auf welchen Reisen auch die erste oder zweite Frau mitgekommen war. Es kann sein, dass die Kinder »in der Fremde« geboren wurden, weil durch die Fehlplanung des Familienoberhauptes eine Reise zu lange gedauert hat und das Reiten für die hochschwangere Frau nicht mehr sicher genug war, insbesondere wenn die Entfernung nach Bogenšperk und Ljubljana zu groß war. Offensichtlich wurde auch Valvasors Tochter aus zweiter Ehe Regina Konstantia zwischen den Jahren 1689 und 1692 in der Fremde geboren. Soweit bekannt ist, soll Valvasor gerade zu jener Zeit einmal nach Lyon gereist und dort erkrankt sein; das heißt, dass das Kind in Frankreich oder auf der Hin- oder Rückreise das Licht der Welt erblickt haben kann. Interessanterweise wurde die Existenz dieser »geheimnisvollen« Tochter in Slowenien ein gutes Jahrhundert lang völlig vergessen. Nach ihrer Entdeckung Ende des 19. Jahrhunderts durch den Adelsgenealogen Witting wurde sie einige Jahre später vom Verfasser der ersten Valvasor-Monographie Peter von Radics wieder »vergessen«, obwohl sich Radies in seinem Werk wiederholt auf den Artikel von Witting beruft. Der Name von Regina Konstantia kam inzwischen erneut auf durch die Quellen über das Schicksal ihrer Mutter Anna Maximila, der zweiten Frau von Valvasor. Da aber diese »vergessene« Tochter als einzige unter Valvasors Kindern auch Enkel hatte war die gesamte spätere Nachkommenschaft des Polyhistors bisher unbekannt. Es stellte sich heraus, dass es unter seinen Nachkommen eine ganze ,Reihe von interessanten Personen gibt, von ausgesprochenen Originalen bis zu sehr erfolgreichen Karrieremenschen. Die Nachkommenschaft in Krain ist bereits 1823 mit dem irrsinnig gewordenen Grafen Lorenz Regulat Paradeiser ausgestorben, in der Untersteiermark dagegen erst 1914 mit dem kränklichen nichtadeligen Ludvik Kofler. Allerdings leben Valvasors Nachkommen noch heute im Ausland, insbesondere in Österreich, aber auch in Deutschland, Ungarn und Australien. Viele von ihnen folgten fast bis zur jüngsten Zeit der Neigung Valvasors zum Offizierberuf, es gibt unter ihnen viele Offiziere: von Unteroffizieren über einen Feldmarschallleutnant in der Zeit der Napoleonkriege bis zu einem SS-Sturmführer und einem noch lebenden Oberst der Armee der zweiten Österreichischen Republik. Eine besondere Stelle in der neueren Geschichte nimmt der Major der Deutschen Wehrmacht Josef Ritter Gadolla (1897—1945) ein. Als Offizier wäre er völlig anonym geblieben, wäre er nicht nur einen Monat vor dem Ende des 2. Weltkrieges standrechtlich erschossen worden. Das Todesurteil ereilte ihn als Folge der Übergabe der thüringischen Stadt Gotha an die amerikanische Armee. Mit der Rettung der Stadt und ihrer Einwohner und dem eigenen Ehrentod fand er zunächst Eingang in die moderne Geschichte der Stadt Gotha und in neuerer Zeit auch in die Geschichte seiner Geburtsstadt Graz und von Österreich überhaupt. Das Schicksal von Gadolla wurde unter anderen von Egon Ehrlich (1931) erforscht, einem heute in Wien lebenden Offizier, ebenfalls einem Nachkommen von Valvasor, der - so wie sein sechsmaliger Urgroßvater — zwei Vorlieben hat: für die militärische Karriere und die Betätigung als dokumentarischer Verfasser. Mit Heimatkunde und Forschungsarbeit überhaupt hat sich Mitte des 19. Jahrhunderts als einziger unter den Nachkommen von Valvasor Ehrlichs Urgroßvater Franz Ritter Gadolla intensiv beschäftigt. Dieser in Blagovna (Reifenstein) bei Celje (Cilli) geborene und 1866 in Graz verstorbene Urururenkel von Valvasor, später Schlossbesitzer auf Turn bei Velenje (Thurn bei Schallegg) hat an einer Stelle sogar ausdrücklich betont, dass er seine Vorliebe für die Heimatkunde gerade von der Familie Valvasor hat. Allerdings konnte er — durch eine Ironie des Schicksals — trotz allen Anstrengungen nie feststellen, welcher Valvasor sein unmittelbarer Vorfahr gewesen ist. Die Spuren des krainischen Polyhistors sind nämlich durch die unklare Identität von Valvasors lange vergessener Tochter Regina Konstantia »verwischt« worden, von der Gadolla irrtümlicherweise annahm, sie sei erst einige Jahre nach Valvasors Tod geboren worden. Und nun zurück zu Johann Weichard und seiner engeren Familie. Er war zWeimal verheiratet, seine erste Frau war die in Ljubljana geborene Anna Rosina vOn Graffenweger (1658—1687) von Slatna (Slateneg) bei Litija, die zweite Anna Iviaximila Freiin von Zetschker (vor 1663—1713/16) von Novi grad bei Boštanj (Obererckenstein), die im Schloss ihres Stiefvaters Vrhovo (Freihof) unter dem Uorjanci-Gebirge lebte. Beide Frauen waren viel jünger als Valvasor, die erste war bei der Heirat mit dem 17 Jahre älteren Valvasor noch nicht einmal 14 Jahre alt. Etwa genau so viele Jahre weilte Johann Weichard vor seiner Heirat im Ausland. Seit seiner Heirat in 1672 war sein Heim das Schloss Bogenšperk, bis er sich 1692, knapp ein Jahr vor seinem Tod genötigt sah, den Besitz zu verkaufen. Im Renaissanceschloss Bogenšperk wuchsen seine Kinder heran, die bestimmt nicht mit Vater und Mutter herumgereist sind, sondern während der Abwesenheit der beiden Eltern eben in der Obhut von Kinderfräulein und Ammen blieben. In Bogenšperk scheinen auch fünf seiner Kinder aus der ersten Ehe und seine erste Frau gestorben zu sein, alle sind in der Familiengruft beim Schloss Medija (Galleneck) am gegenüberliegenden Ufer der Save bestattet worden. Aus Valvasors mit Bogenšperk verbundenen Lebensabschnitt möchte ich auf eine zwar unbedeutende, doch sehr aufschlussreiche Feststellung hinweisen, nämlich dass Valvasor in allen zwanzig Jahren nur zweimal als Taufpate genannt wird und auch das nur bei von gewöhnlichen Leuten stammenden Patenkindern, nicht bei adligen Nachbarn. Er scheint für die konventionellen gesellschaftlichen Verpflichtungen nicht viel übrig gehabt und seinen Umgang nach eigenen Maßstäben gewählt zu haben. Im Gegensatz zur Familie betrachtete Johann Weichard das Schloss Bogenšperk eher als »Hauptstab«, in dem er einige Jahre lang von einheimischen und fremden Mitarbeitern seiner privaten graphischen Anstalt umgeben war. Er selbst war nämlich sehr viel unterwegs und kaufte außerdem 1681 noch ein Haus in Ljubljana, offensichtlich wegen der Nähe von Geschichtsquellen. Von dort konnte er im nahen Landhaus im Krainischen Landständearchiv stöbern und die Akten und Bücher der Stadt Ljubljana im Rathaus durchsehen. Wie man aus dem Inventar seines Nachlasses erfährt, konnte er von den Landständen wenigstens einmal Urkunden auch ausgeliehen bekommen. So ein Vorgehen wird wohl Gang und Gäbe gewesen sein, man kann nur hoffen, dass Johann Weichard diese ausgeliehenen Stücke gewissenhaft auf die richtige Stelle zurückgelegt und damit auch dem aufmerksamen Auge von Sergij Vilfan Jahrhunderte später die Durchsicht derselben Urkunden ermöglicht hat. Die letzten Jahre seines Lebens seit dem Tod seiner ersten Frau im Jahre 1687 und seiner erneuten Verehelichung waren für Valvasor allgemein eine sehr dynamische und anstrengende Zeit, geprägt von Ehrungen und Würdigungen, aber auch von wenig Verständnis in seiner Umgebung, Enttäuschungen, der Krankheit und damit verbundenen finanziellen Schwierigkeiten. Letztere nötigten ihn im Herbst 1692 schließ, lieh zum Verkauf seines gesamten Besitzes mitsamt dem Haus in Ljubljana, einige Monate später, im Frühjahr 1693 zog er in ein gekauftes Bürgerhaus in Krško und verbrachte dort das letzte halbe Jahr seines Lebens. Seinen Entschluss gerade für die verkehrsgünstige kleine Provinzstadt Krško ist mittelbar durch das spätere Schicksal seiner Witwe zu erklären. Anna Maximila hatte nämlich in der weiteren Umgebung von Krško Verwandte und erwartete mit Recht eine Erbschaft aus dem Nachlass ihres Stiefvaters Edl. von Wernegk. Bei der Lösung der Frage der Existenz von Valvasors Familie konnte sie ohnehin nur auf die Hilfe ihrer Verwandten rechnen. Johann Weichard hat das zwar nicht mehr erlebt, seine Witwe erbte nämlich drei Jahre nach seinem Tod das Schloss Pleterje bei Bučka, wodurch sie finanziell wieder auf die Beine kam. Völlig offen blieben bisher die Fragen nach dem Schicksal des bescheidenen Nachlasses von Valvasor, seiner Witwe, seiner Kinder und seines letzten Heimes in Krško. Das spätere Leben der Witwe blieb unbekannt, auch oder gerade wegen ihrer Wiederverheiratung und Namensänderung. Entscheidende Angaben für die Enthüllung ihres späteren Schicksals lagen im Nachlassinventar ihres zweiten Mannes Johann Herbard Edl. von Buset verborgen. Auf dieses Inventar hat vor einem Vierteljahrundert, im Jahre 1982, Majda Smole hingewiesen. Die Inventaranalyse hat nicht nur das Schicksal von Valvasors Witwe und der schon bekannten Tochter aus der zweiten Ehe erhellt, sondern erneut auch die Existenz von Regina Konstantia, seines einzigen Kindes, durch das der Valvasorsche Stamm bis in die heutigen Tage weiterbesteht. In Zusammenhang mit Krško gilt es noch darauf hinzuweisen, dass unter Heranziehung von neuen Sekundär quellen endlich festgestellt werden konnte, in welchem Haus Valvasor wirklich gestorben ist. Das so genante »Valvasor-Haus«, an dem seit 1894 eine Gedenktafel angebracht ist, ist nicht das richtige, die Identifizierung geht auf Mutmaßungen und einen Irrtum des Amateurhistorikers Anton Jellouschek aus der Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. In Wahrheit hat der Polyhistor nur einige zehn Meter weiter weg gewohnt und ist dort auch gestorben, nämlich im Südteil des Hauses, das vor einem Jahrhundert dem Schriftsteller Janez Mencinger und davor dem dritten Schriftsteller unter seinen Besitzern, dem deutsch schreibenden Dichter Anastasius Grün gehört hat. Schließlich bleibt noch die Frage, ob Valvasor wirklich in der Familiengruft in Medija ruht. Das wird nur in einer Quelle erwähnt und noch bei dieser handelt es sich um eine über 20 Jahr spätere Notiz seines Zeitgenossen Janez Gregor Dolničar. Obwohl es galt, dass der Bestattungsort aus einer Primärquelle — dem Sterbebuch — nicht verlässlich festzustellen ist, gilt das doch nicht eindeutig. Das Sterbebuch der Pfarre Vače, zu der damals Medija gehörte, ist nämlich erhalten, allerdings wurde im Herbst 1693 keine Bestattung von Johann Weichard Valvasor eingetragen. »Offiziell« wurde er also dort überhaupt nicht bestattet, aber dieses Argument »per negationem« ist trotzdem nicht so unverrückbar. Im erwähnten Sterbebuch erscheint nämlich so mancher anderer Valvasor nicht, darunter auch die erste Frau und zwei Kinder des Polyhistors, möglicherweise weil die Bestattungen von den Schlossbenefiziaten von Medija vOrgenommen wurden und nicht von Pfarrpriestern. Außerdem weist die Pfarrmatrikel gerade um die Zeit von Valvasors Tod eine Lücke von mehreren Wochen auf. Wenn jedoch die Leiche von Johann Weichard wirklich nicht aus Krško na Medija Überführt wurde, muss sein Grab anderswo gesucht werden. In diesem Fall gebührt zweifellos der Vorrang der Krypta in der Stadtkirche St. Johann Evangelist in Krško, in der sehr wahrscheinlich auch das jüngste, schon in Krško ein halbes Jahr vor dem Tod des Vaters getaufte Kind von Valvasor ruht. Weiterhin ungeklärt bleibt das genaue Todesdamm des Krainer Polyhistors, allerdings ist in diesem Zusammenhang das bisher übersehene Datum 16. November 1693 zu erwähnen als Tag, an dem Valvasor mit Sicherheit nicht mehr unter den Lebenden weilte. An diesem Tag hat nämlich das Schrauengericht Inventurkommissionen für die Inventarisierung seines Nachlasses bestellt — der wenigen beweglichen Güter, in erster Linie Bücher, die auf Bogenšperk geblieben waren, und des Großteils des inzwischen in Krško befindlichen Nachlasses. Insbesondere das Inventar aus Krško bietet ein interessantes Bild der materiellen und geistigen Kultur im letzten Heim des Polyhistors, das nun mit verschiedenen Instrumenten und kleinen Gegenständen überfüllt eher an ein Notlager erinnerte als an die Wohnung eines Adligen. Valvasor hat zwar auch in Krško nicht in Armut und mittellos gelebt, allerdings war der Unterschied zwischen der Stellung des ehemaligen Herrn von Bogenšperg und eines Hausbesitzers in einer kleinen Provinzstadt beträchtlich. Außerdem wäre sein totes Kapital ohne die Erbschaft aus der Verwandtschaft seiner Gattin früher oder später aufgezehrt worden. Die Heranziehung der bisher nicht berücksichtigten Quelle — der Gerichtsprotokolle des Schrauengerichts — brachte endlich mehrere Einzelheiten über das Schicksal des Nachlasses von Valvasor an den Tag. Bei der Vermögensteilung hatten die Witwe und die Kinder aus zweiter Ehe Vorrang, ziemlich viele Sachen nahm aber auch der Vormund der Kinder aus der ersten Ehe, deren Onkel Johann Josef Edl. Graffenweger mit. Auf diese Weise blieb auch der intellektuelle Nachlass von Valvasor im Großen und Ganzen außerhalb von Krško. Die verbleibenden Bücher und Instrumente wurden vom Bibliophil Franz Albrecht Edl. Seethal gekauft, viele andere bewegliche Dinge blieben im Heim des Vormundes. Überhaupt hatte Valvasor am Sterbebett nur noch die Reste der Reste der ehemaligen Bibliothek, das heißt, dass seine Notizen und die Vorlagen für seine Werke schon vor dem Umzug von Bogenšperk gründlich »ausgemistet« worden sind. Noch am längsten kann man jene Teile des beweglichen Vermögens verfolgen, welche den Kindern aus der ersten Ehe zufielen und schließlich in die Obhut des Abtes des Klosters von Kostanjevica gerieten. Im Jahre der letzten Protokolleintragung 1716 waren sie noch immer nicht vollständig unter den vier Kindern verteilt. Ähnlich geschrumpft wie sein intellektuelles Erbe war auch Valvasors biologisches Erbe, in größtem Maße noch zu seinen Lebzeiten. Über die Hälfte seiner Kinder aus der ersten Ehe starb schon in der Kindheit dahin, nur sechs erlebten das Er wachsenenalter. Alle drei Söhne aus der ersten Ehe »vermählten sich mit der Kirche« als Mönche, drei Töchter ehelichten adlige Witwer und Söhne aus der näheren Umgebung von Krško, also in der Nähe des Sterbeortes ihres Vaters. Ihr späteres Schicksal weist eigentlich überraschend viele Parallelen auf, im Klöster gestorben sind nicht nur drei Söhne, sondern auch zwei von drei Töchtern, allerdings nicht als Nonnen sondern als» Klosterwitwen«. Es hat sich herausgestellt, dass von allen gerade die jüngste, bisher vergessene Tochter Regina Konstantia verehelichte Edle von Dienersperg (um 1690—1755) unter allen das am meisten bewegte wenn nicht geradezu wechselvolle Leben gehabt hat. So wie später ihre Tochter verließ sie z.B. auf die alten Tage ihren Mann. Und schließlich war ich persönlich sehr überrascht, als ich feststellte, dass zwischen mir und dieser Tochter von Valvasor gewisse Verbindungen bestehen. Meine Vorfahren waren nämlich jahrzehntelang ihre Bekannten und obendrein auch ihre Nachbarn in Novo mesto, wo sie seit der Trennung von ihrem Mann lebte. Deshalb möchte ich mein heutiges Referat — obwohl vieheicht ein wenig unbescheiden - mit der Frage schließen, ob es wirklich ein reiner Zufah war, dass sich Regina Konstantia gerade mir »erneut entdecken« gelassen hat und zwar nachdem ich nach langem Schwanken doch der Einladung aus Krško, ich sohe für die dortige Tagung ein kurzes Referat über Valvasor vorbereiten, angenommen habe. Ich hoffe, dass mir diese abschließende Frage weder Johann Weichard Valvasor noch Sergij Vilfan noch die Anwesenden verübeln werden. Solche Verkettungen von Umständen hätten zweifellos auch Prof. Vilfan gefesselt, wenn es ihm bei seiner leider viel zu kurz bemessenen Zeit möglich gewesen wäre, sich Valvasor als Person zu widmen.
    • dcterms:publisher
      • Zgodovinski arhiv Ljubljana, Ljubljana
    • dcterms:isPartOf
      • Gradivo in razprave : 30
    • dcterms:contributor
      • Nataša Budna Kodrič (ur.)
      • Tatjana Šenk (ur.)
      • Magda Lojk (lekt.)
      • Doris Debenjak (nem. prev. )
      • mag. Niko Hudelja (nem. prev.)
      • Katarina Kambič (ang. prev.)
      • Martin Cregeen (ang. prev.)
      • Tatjana Rodošek (foto.)
    • dcterms:date
      • 2007-01-01
    • dcterms:type
      • Text
    • dcterms:source
      • SISTORY:ID:41388
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