"Butale so vas, pa ji pravijo mesto"

Butalstvo spodnjekranjske purgarije v predrazsvetljenski dobi

Avtor(ji): Golec, Boris
Jezik: slovenski
Vrsta gradiva: Besedilo
Leto: 1997
Založnik(i): Zgodovinsko društvo, Celje
Soavtor(ji): Andrej Studen (urednik)


  • Podroben opis
    Avtor parafrizira šaljive zgodbe Frana Milčinskega o Butalcih, nespametnih prebivalcih izmišljenega mesteca, in išče vzporednice z osmimi slovenskimi mesteci v predrazsvetljenski dobi. Literarni Butalci se nasplošno dobro prilegajo dogodkom in procesom v gospodarsko propadajočih, pretežno ruralnih naseljih z naslovom mesta, ter njihovim prebivalcem, ki so se ob vsej svoji malopomembnosti toliko bolj trudili odstopati od podeželske okolice.

  • Vsi metapodatki
    • dcterms:identifier http://hdl.handle.net/11686/2543
    • dcterms:title
      • "Butale so vas, pa ji pravijo mesto"
      • Butalstvo spodnjekranjske purgarije v predrazsvetljenski dobi
    • dcterms:alternative
      • "Butale ist ein Dorf, wird aber Stadt genannt"
      • Das "Schildbürgertum" der Unterkrainer "Spießbürger" in der Zeit vor der Aufklärung
    • dcterms:creator
      • Boris Golec
    • dcterms:subject
      • malomeščanstvo
      • Slovenci
      • književnost
      • satire
      • literature
      • satire
      • Slovenes
    • dcterms:abstract
      • The author paraphrases humorous stories by Fran Milčinski about the inhabitants of Butale, a fictitious small town famous its foolish behaviour, and tries to find similarities with eight real small towns in Slovenia in the pre-Enlightenment period. The activities of the inhabitants of Butale, as described by Fran Milčinski, are similar to those of these eight economically declining, predominantly rural settlements whose inhabitants, despite their obvious unimportance, tried hard to establish their distain for their rural surroundings.

      • Avtor parafrizira šaljive zgodbe Frana Milčinskega o Butalcih, nespametnih prebivalcih izmišljenega mesteca, in išče vzporednice z osmimi slovenskimi mesteci v predrazsvetljenski dobi. Literarni Butalci se nasplošno dobro prilegajo dogodkom in procesom v gospodarsko propadajočih, pretežno ruralnih naseljih z naslovom mesta, ter njihovim prebivalcem, ki so se ob vsej svoji malopomembnosti toliko bolj trudili odstopati od podeželske okolice.
      • Eine ähnliche Rolle wie die deutschen "Schildbürger" spielen in der slowenischen humoristisch- volkstümlichen Literatur die Butalci von Fran Milčinski, jene mit dem gesunden Menschenverstand zerstrittenen Bewohner des imaginären "Dorfes Butale, das Stadt genannt wird". Mit ihrer Berühmtheit können sich andere humoristische Erzählungen von slowenischen Städten und Märkten keinesfalls messen, obwohl es an solchen Erzählungen nicht mangelt, die die Bürger kleiner und wenig bedeutender bürgerlicher Orte wie es Butale sind, beschreiben. Zum Ortsnamen Butale ist anzumerken, daß es in Unterkrain einen Weiler mit diesem Namen gibt, der Jahrhunderte aus einem Bauernhof und heute aus ganzen zwei Häusern besteht. Auch der Nachname Butalec oder Butalic ist in der Vergangenheit sowohl in der Nähe des erwähnten Ortes Butale als auch anderswo in Krain belegt. Das letze Mal finden wir den Namen im 17. Jahrhundert, heute ist er in Slowenien ausgestorben. Interessant ist, daß mancherorts der ähnliche Nachname Butála verbreitet ist, so auch jahrhundertelang in der Nähe von Loz/Laaß in Innerkrain, der Geburtsstadt des literarischen Vaters der Butalci. Gerade Lož und der Nachbarmarkt Cerknica werden heute am häufigsten mit dem imaginären Butale gleichgesetzt. Der Autor des Beitrags über die "Unterkrainer Spießbürger" vergleicht, teilweise ironisch, die Geschichten über Butale und die städtischen Attribute des Dorfes Butale mit den historischen Tatsachen und Ereignissen aus acht Städtchen des südlichen, ärmeren Teiles Krains - d.h. Unterkrains und Innerkrains - in der Zeit vor der Aufklärung. Außer bei Novo mesto/Rudolfswerth handelt es sich dabei um Zwergstädte, von denen die Hälfte erst in den siebziger Jahren des 15. Jahrhunderts das Stadtrecht bekam, und zwar vor allem wegen der drohenden Türkengefahr. Angesichts ihrer Kleinheit, Armut und richtiggehenden Verelendung nach dem 16. Jahrhundert ist der Humor auf Kosten dieser Städte eher beißend, so manches Mal ein gewöhnliches Verhöhnen. Den Nachbarn gingen die Überheblichkeit und Aufgeblasenheit der Städter auf die Nerven, andererseits aber erschien so Manches, das heute Lachen hervorruft, den Menschen jener Zeit keineswegs lustig. Die sieben Unterkrainer und die einzige Innerkrainer Stadt sind ein ausgeprägtes Beispiel für dicht gestreute kleine und ärmliche Stadtsiedlungen. Ansonsten war der "schildbürgerliche" Scharfsinn ihrer Bewohner sicherlich weder größer noch kleiner als bei den Städtern vergleichbarer Städte andernorts. Im gesamten Beitrag werden Zitate und Lehren aus dem Buch über die Butalci eingeflochten. Sie sollen nicht nur die ausdrücklich beschriebene Tatsache "beweisen", daß Butale eine Stadt ist, sondern auch ihre Bestätigung an einzelnen Beispielen der acht behandelten Städtchen finden. Die Behauptung Milčinskis: "Butale ist ein Dorf, wird aber Stadt genannt", ähnelt den Versicherungen manch eines Stadtvorstehers, daß ihr Städtchen mehr einem Dorf gleicht, insbesondere weilcin der Stadtmauer so viele Löcher sind, daß man gänzlich ungehindert in die Stadt gelangen kann. Eines der charakteristischen Merkmale unserer Städte kann mit folgendem Satz beschrieben werden: in Butale "stehen Hütten, die Häuser genannt werden, zwei oder drei Häuser haben Stockwerke, diese Häuser werden Schlösser genannt." Die Aufzeichnungen des Häuserfonds aus der Mitte des 18. Jahrhunderts zeigen, daß in der Gottschee kein einziges Haus über Stockwerke verfügte. Aber auch anderswo waren solche Häuser eine verschwindende Minderheit. Die Anmerkung des Schriftstellers Milanski, daß "zur Zeit des Bürgermeisters Laudon Štiman Butale bereits dreißig Hütten zählte", ist nicht weit von der Wirklichkeit entfernt, wenn wir bedenken, daß in unseren Städtchen meist nur Häuschen und Keuschen standen. In der Mitte des 18. Jahrhunderts zählten die Städte zwischen 50 und 250 Häuser (so das Kreiszentrum Novo mesto/Rudolfswerth), wobei die Hälfte der Städte weniger als hundert Häuser hatte und nur drei Städte etwas mehr. Aber die Größe ist nicht wirklich wichtig - solange die Städte nur ihr eigenes Wappen hatten, wie man es sich eines Tages auch in Butale zugelegt hatte. Die leere Gemeindekasse in Butale ähnelt den immer leeren, von zu hohen Landanlagen belasteten Stadtkassen. Zu Beginn der Herrschaft Maria Theresias hatten die Städte fast unglaubliche Steuerausstände, die vom Land durch Exekutionen im Form von Soldateneinquartierungen "gelöst" wurden. In den solcherart verarmten Städten konnte man sich oft nicht mehr als einen ständigen Angestellten leisten. Dieser erledigte, ähnlich dem literarischen Polizisten in Butale, alle notwendigen Angelegenheiten der Stadt und trug deshalb gewöhnlich die universale Bezeichnung Stadtknecht. Ein besonderes Kapitel der Stadtgeschichte waren die Jahr- und Wochenmärkte, auf denen ein solcher "Stadtpolizist" patrouillierte und die städtischen Gewerbemeister sorgsam darauf achteten, daß ihnen niemand zu große Konkurrenz machte. Solche Fremde wurden sogleich als Pfuscher bezeichnet und beim Stadtgericht angezeigt. Die absolute Macht in der Stadt hatte in der Vergangenheit eine kleine Gruppe vom bürgerlichen Auserwählten. Sie bildeten den inneren und äußeren Stadtrat und gestatteten jedes Jahr gnädig, daß eine etwas größere Bürgergemeinde einen Stadtrichter aus zwei oder dreien, natürlich vom Stadtrat vorgeschlagenen Räten wählte. Streitereien, Schlägereien und bedeutungsvoll Aufstände genannte Unruhen waren so an der Tagesordnung. Nur in Butale verliefen die Bürgermeisterwahlen eleganter, wurden sie doch angeblich von einer Laus entschieden, die dem richtigen Kandidaten in den Bart kroch. Der Schriftsteller Milanski erinnerte sich mit dieser Stadtlaus vielleich der Spötteleien auf Kosten der Städter von Višnja Gora/Weichselburg, die sich angeblich eine berühmte, in Ketten gelegte Stadtschnecke hielten. Darüber schrieb bereits der erste slowenische Romancier Josip Jurčič, der außerdem wegen seiner Humoreske Kozlovska sodba v Višnji gori [Die Verurteilung des Ziegenbocks in Weichselburg] bekannt ist, in dem einem verurteilten Ziegenbock vom Stadtgericht böse mitgespielt wird. In den historischen Quellen der behandelten Städte geben das städtische Gerichtswesen und die Strafpolitk nicht wenig Stoff zum Nachdenken und zur Erheiterung. So wurde zum Beispiel im selben Ort Višnja Gora/Weichselburg im Jahr 1697 zusammen mit einem wegen Sodomie verurteilen Jüngling und der betreffenden Kuh auch ein Kalb am Scheiterhaufen verbrannt, da es bei der Kuh Milch getrunken habe. Der Autor der Butalci zeigte jedenfalls sein Gefühl für die Historie, als er die Stammbäume der Butalci gar vom biblischen Adam herleitete und in seinen Geschichten in die Zeit der Türkeneinfälle und der "falschen Religion" griff. Wir kennen zwar wenige konkrete Heldentaten unserer Städter, dafür aber ist ihre große Angst vor den Türken, die in Furcht vor jedweder Armee umschlug, umso bekannter. In Kostanjevica/ Landstraß und Novo mesto/Rudolfswerth verschloß man im Jahre 1615 einfach das Stadttor vor den Richtung Laibach marschierenden magyarischen Soldaten und lies sie die ganze Nacht am Feld frieren. Besonders ungern nahmen die Städte heimische kaiserliche Soldaten in Quartier, die die Steuerausstände eintreiben kamen. In Krško/Gurkfeld floh der Stadtrichter im Jahr 1716 einfach vor den anrückenden Soldaten und riet seinen Städtern zur allgemeinen Evakuierung in die Weinberge, sozusagen eine Art passive "skythische Kampftaktik". Weniger Passivität zeigten die Städter in den Glaubenskämpfen, denn bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts entschieden oft die Fäuste über den richtigen oder falschen Glauben. Man darf Fran Milčinski nicht übelnehmen, wenn in den Butalci etwas verwahrloste Frauen auftreten, die nicht einmal eigene Namen haben, sondern einfach Bürgermeisterin, Bürgermeisterschwiegermutter und Bürgermeistertochter sowie bestohlenes Weibsbild genannt werden. In den schriftlichen Quellen unserer Städte findet man tatsächlich nicht viele weibliche Rollen, dafür sind sie aber umso ausgeprägter, wenn sie doch einmal vorkommen. Vor allem einige Ehefrauen von Stadtrichtern waren so energisch, daß sie ihre Männer, das Stadtgericht und überhaupt die ganze Stadt regierten. In Loz/Laaß konnten die Männer eine dieser "Stadtrichterinnen" nur mit vereinten Kräften und mit Hilfe der Landesbehörden absetzen. Auch in Višnja Gora/Weichselburg beschwerten sich die Stadträte über die Frau des Richters, dieser aber erklärte den landesfürstlichen Visitatoren, daß sich seine Frau nicht in die Stadtratssitzungen einmischt, sondern den Herren nur seine Reden ins Krainerische (Slowenische) übersetzt. Der Stadtrichter selbst war nämlich ein zugewanderter Deutsch-Kärntner aus Wolfsberg. Um einiges schlechter erging es 1709 und in den folgenden Jahren einigen Ehefrauen der Stadträte von Krško/Gurkfeld, die als Hexen auf dem Scheiterhaufen endeten. Hinsichtlich der häufigen Vorwürfe, daß die Butalci mit dem gesunden Menschenverstand zerstritten sind bzw. gar keinen Verstand haben, kann man von den untersuchten Krainer Städten feststellen, daß es zu verschiedenen Zeiten tatsächlich nicht viele Menschen mit "qualifiziertem Verstand" - d.h. des Lesens und Schreibens kundig - gab. In einigen Städtchen war nur der Stadtschreiber kein Analphabet, andernorts der Stadtschreiber und Stadtrichter (aber auch nicht jeder Stadtrichter). So wie sich Butale entschlossen hatte, in einer anderen Stadt zum Verkauf angebotenen Verstand zu kaufen und einzuführen, taten es auch unsere Städtchen alle Jahrhunderte bis zur Aufklärung. Keine der Städte hatte nämlich höhere Schulen, deshalb waren sie auf jenen Bürgersohn besonders stolz, der nach (nicht) beendeten "lateinischen, deutschen und welschen Schulen" nach Hause zurückkehrte. Hier erwartete ihn eine sichere Karriere als Mautner, Stadtschreiber, Stadtrat oder sogar Stadtrichter, während sich zahlreiche seiner Altersgenossen der "Flucht kluger Köpfe" anschlössen. Eine Art Einfuhr von Verstand (oder Fachkenntnissen) eigener Art war auch die Ansiedlung des einen oder anderen ausgebildeten Handwerkers, die überhaupt viel herumreisten. Wenn der zugewanderte Gewerbetreibende, Schreiber oder Lehrer dazu noch einen Haufen Kinder hatte - so wie jene Maus, die die Butalci "für den Verstand" bzw. als vermeintlichen Verstand gekauft hatten und die bald zahlreiche Nachkommen zeugte - kann man annehmen, daß es in den untersuchten Städtchen auch vor der Aufklärung nicht an jeglichem Verstand fehlte.
    • dcterms:publisher
      • Zgodovinsko društvo, Celje
    • dcterms:contributor
      • Andrej Studen (urednik)
    • dcterms:type
      • Text
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      • SISTORY:ID:676
    • dcterms:language
      • slv
    • dcterms:isPartOf