Boj obrtnikov proti konkurenčnemu prisilnemu delu

Avtor(ji): Pančur, Andrej
Jezik: slovenski
Vrsta gradiva: Besedilo
Leto: 2002
Založnik(i): Zgodovinsko društvo, Celje
Soavtor(ji): Janez Cvirn (urednik)


  • Podroben opis

    V drugi polovici 19. stoletja je obrt pod udarci industrializacije doživljala globoke spremembe. Za razliko od drugih obrtnikov na Slovenskem pa so se ljubljanski obrtniki pritoževali predvsem nad konkurenčnim obrtniškim delom, ki so ga morali opravljati zaporniki iz prisilne delavnice in kaznilnice. Vendar je v tem času prav prisilno delo veljalo za poglavitno prevzgojno sredstvo za različne »delomrzne« marginalne skupine. To temeljno nasprotje med gospodarskimi interesi obrtnikov in interesom javnosti za prevzgojo je bilo mogoče rešiti samo z omejitvijo prisilnega dela na tiste gospodarske panoge, ki niso neposredno konkurirale obrtnikom.


  • Vsi metapodatki
    • dcterms:identifier http://hdl.handle.net/11686/2340
    • dcterms:title
      • Boj obrtnikov proti konkurenčnemu prisilnemu delu
    • dcterms:alternative
      • The struggle of craftsmen against the competition of forced labour
      • Gewerbetreibende im Kampfgegen die Konkurrenz der Zwangsarbeit
    • dcterms:creator
      • Andrej Pančur
    • dcterms:subject
      • Avstro-Ogrska
      • gospodarska zgodovina
      • 19. stoletje
      • obrtništvo
      • nelojalna konkurenca
      • prisilna delavnica
      • Ljubljana
      • zapori
      • prisilno delo
      • economic history
      • craftsmanship
      • 19th century
      • Ljubljana
      • Slovenia
    • dcterms:abstract
      • In the waves of industrialisation during the second half of the 19• century, craftsmanship underwent farreaching changes. Unlike the other craftsmen in the Slovene lands, the craftsmen of Ljubljana mostly complained about the competition offered them by the craftwork of prisoners in forced labour workshops and prisons. At that time, though, forced labour was considered the most important means of correction for various »labour shirking« marginal groups. This basic opposition between the economical interests of the craftsmen and the public interest of ensuring correctional means for prisoners could only be solved by limiting forced labour to those branches of the economy in which it did not offer any direct competition to the craftsmen.
      • V drugi polovici 19. stoletja je obrt pod udarci industrializacije doživljala globoke spremembe. Za razliko od drugih obrtnikov na Slovenskem pa so se ljubljanski obrtniki pritoževali predvsem nad konkurenčnim obrtniškim delom, ki so ga morali opravljati zaporniki iz prisilne delavnice in kaznilnice. Vendar je v tem času prav prisilno delo veljalo za poglavitno prevzgojno sredstvo za različne »delomrzne« marginalne skupine. To temeljno nasprotje med gospodarskimi interesi obrtnikov in interesom javnosti za prevzgojo je bilo mogoče rešiti samo z omejitvijo prisilnega dela na tiste gospodarske panoge, ki niso neposredno konkurirale obrtnikom.
      • In der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts erlebte das Gewerbe unter den Schlägen der Industrialisierung tiefgreifende Veränderungen. Obwohl das Gewerbe als Ganzes Fortschritte machte, hatten die Menschen dennoch das Gefühl, das wegen des Niedergangs einiger Branchen langsam das gesamte Gewerbe zugrunde geht. Daher bemühte sich die konservative Gewerbebewegung, die bestehende Gewerbefreiheit möglichst einzuschränken. Dieser Kampf erreichte in den achtzigerJahren des 19. Jahrhunderts seinen Höhepunkt. Die Forderungen der Gewerbetreibenden waren in ganz Österreich ähnlich. Unter anderem beschwerten sie sich über die konkurrenzfähige Zwangsarbeit. Die größte Aufmerksamkeit widmeten diesem Problem die Gewerbetreibenden aus der Landeshauptstadt Ljubljana, wo sich die meisten Gewerbetreibenden Krains befanden. Die Abschaffung der gewerblichen Zwangsarbeit war die einzige fortdauernde Forderung der Gewerbebewegung in Ljubljana. Die Laibacher Gewerbetreibenden widmeten der Häftlingsarbeit so große Aufmerksamkeit, daß sie damit den Eindruck erweckten, der Bestand des Gewerbestandes hänge allein von einer Lösung dieses Problems ab. Die große Sorge der Laibacher Gewerbetreibenden war völlig verständlich, denn im slowenischen Gebiet hatte nur Ljubljana Einrichtungen, in denen Häftlinge arbeiten mußten. Die Laibacher Burg war in denJahren 1868 bis 1895 Sitz einer Strafanstalt, in der die Sträflinge auch gewerbliche Arbeiten ausführen mußten. Außerdem befand sich in Ljubljana in denJahren 1847 bis 1921 eines der zentralen Arbeitshäuser Österreichs. In diesen beiden Institutionen waren zu Beginn der achtzigerJahre des 19. Jahrhunderts 500 bis 600 Personen eingesperrt - eine große Zahl für eine Stadt, in der 1890 rund 30.000 Personen lebten. Zahlreiche Häftlinge befaßten sich dort mit verschiedenen gewerblichen Tätigkeiten. Die Haftanstalt und das Arbeitshaus kamen vor allem Schneidern, Schustern und Tischlern ins Gehege, und gerade diese waren die treibende Kraft der Gewerbebewegung, die entschieden gegen die Konkurrenz der Zwangsarbeit auftrat. Weil die Haftanstalt und das Arbeitshaus für ihre Tätigkeit auch Geld vom Staat bekamen und ihre gewerbliche Tätigkeit überdies nicht besteuert wurde, konnten sie ihre Produkte günstiger verkaufen als Gewerbetreibende, die sich darüber zu Recht beschwerten. Andererseits hatte die Zwangsarbeit auch große Mängel. Die Haftanstalt und das Arbeitshaus waren soziale Einrichtungen mit großen Betriebskosten und einer unzureichend ausgebildeten und motivierten Arbeitskraft. Dennoch erreichten die Gewerbetreibenden mit der Zeit, daß die Haftanstalt und das Arbeitshaus die Preise ihrer gewerblichen Erzeugnisse auf eine reales und damit nicht mehr konkurrenzfähiges Niveau anheben mußten. Wegen ihrer wirtschaftlichen Interessen widersetzten sich also die Gewerbetreibenden der gewerblichen Tätigkeit von Häftlingen. Andererseits unterstützte die damalige Öffentlichkeit den sozialen Zweck der Häftlingsanstalten. Die Absicht der Haftstrafe war nicht nur das Bestrafen, sondern auch die Umerziehung. Durch Umerziehung versuchte die neuzeitliche Gesellschaft Randgruppen wie Bettler, Landstreicher und ähnliche »Arbeitsscheue«, die angeblich die öffentliche Sicherheit gefährdeten, zu marginalisieren. Durch Zwang sollten sie an Arbeit gewöhnt werden. Durch Arbeit sollten moralisch verdorbene Nichtstuer, die auf die schiefe Bahn der Armut und des Verbrechens gerieten, wieder nützliche Mitglieder der Gesellschaft werden. Damitwurde zwischen Nichtstun, Armut und Verbrechen ein enger ursächlicher Zusammenhang hergestellt: Wenn man einem Müßiggänger und Verbrecher helfen will, muß man ihn einsperren und zur Verrichtung von ehrenvoller und befreiender Arbeit zwingen. Zwischen den wirtschaftlichen Interessen der Gewerbetreibenden und dem Interesse der Öffentlichkeit nach Umerziehung herrschte also eine tiefe Kluft, die nur zu überwinden war, indem man Häftlingen und Zwangsarbeitern eine solche Zwangsarbeit auferlegte, die nicht mit den Gewerbetreibenden konkurrieren konnte. Die Gewerbetreibenden rieten daher, daß sich die Häftlinge dem Spinnen undWeben widmen sollen, da sich das Gewerbe zu jener Zeit selbst nicht mehr damit befaßte. Auch verschiedene öffentliche Arbeiten wie Bau und Instandhaltung von Straßen und Eisenbahnen, Wildbachverbauungen, Flußbau und Trockenlegung von Sümpfen usw. wurden nicht beanstandet. Die Gewerbetreibenden waren auch von der Idee begeistert, daß die Häftlinge einfach für sie arbeiten würden. Darüber waren aber die Gesellen natürlich keinesfalls glücklich. Weil die meisten Häftlinge aus ländlichen Gebieten stammten und sich Bauern lautstark über den Mangel an Arbeitskräften beschwerten, war die beliebteste Arbeit landwirtschaftlicher Art. Deutlich schwerer zu begeistern waren die Gewerbetreibenden für die Möglichkeit, die Haftanstalt und das Arbeitshaus für verschiedene öffentliche Einrichtungen und den Staat (vor allem die Armee) arbeiten zu lassen. Im Arbeitshaus wurde die gewerbliche Tätigkeit zwar niemals völlig aufgelassen, doch gab die Landesregierung mit der Zeit dem Druck der Gewerbetreibenden nach und begrenzte die zwangsweise gewerbliche Arbeit auf einen vertretbaren Umfang. Häftlinge müssen auch heute noch arbeiten, diesbezügliche Beschwerden der Gewerbetreibenden sind jedoch verstummt.
    • dcterms:publisher
      • Zgodovinsko društvo, Celje
    • dcterms:contributor
      • Janez Cvirn (urednik)
    • dcterms:date
      • 2002
    • dcterms:type
      • Text
    • dcterms:source
      • SISTORY:ID:686
    • dcterms:language
      • slv
    • dcterms:isPartOf